Big Data platform in biomedical research setting
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Regina Kelder

Charles River startet Apollo, eine einzigartige cloudbasierte Plattform

Das hochmoderne, bahnbrechende System für die Auftragsforschung bietet Echtzeit-Zugriff auf Studiendaten und ermöglicht es Benutzern, ihre wichtigen Daten eigenständig zu analysieren

Im Sommer 2020, als die weltweite Pandemie ihren Höhepunkt erreichte und die Arbeitswelt transformierte, hielt ein engagiertes Team bei Charles River Laboratories virtuelle Meetings ab, um zu besprechen, wie man am besten eine hochmoderne cloudbasierte Plattform für Arzneimittelentwickler konzipieren könnte. Sie hatten dabei ein System vor Augen, das nahezu in Echtzeit einen einfachen Zugang zu Studiendaten und Meilensteinen sowie zu Dokumenten, Kostenvoranschlägen und zeitsparenden Programmplanungswerkzeugen bieten würde. All das sollte idealerweise in einem einzigen, sicheren Produkt zusammengefasst werden.

Dieses Produkt namens Apollo (die Anspielung auf die Mondlandung ist beabsichtigt, ebenso wie die Verbindung zum Gesundheitswesen und zur Medizin) wurde diesen Monat offiziell eingeführt. Im Bereich der vorklinischen Auftragsforschung gibt es bis dato kein vergleichbares System. Mit der Plattform werden derzeit Kunden der kontinuierlich wachsenden Unternehmensbereiche Safety Assessment und Biologics bei Charles River in Nordamerika und Europa unterstützt. Zukünftig sollen auch die Bereiche Discovery Services, Microbial Solutions sowie Research Models and Services in die Plattform aufgenommen werden.

„Mit dem Aufbau und dem Einsatz von Apollo leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Digitalisierung bei Charles River“, so Mark Mintz, Corporate Senior Vice President, Chief Information Officer bei Charles River. „Durch die Bereitstellung bahnbrechender Technologien, die unseren Kunden besseren Zugang zu Daten ermöglichen, können wir datengestützte Entscheidungen treffen, die einen echten Mehrwert für Unternehmen schaffen. Damit setzen wir gleichzeitig auch unser Ziel um, den Prozess der Arzneimittelentwicklung effizienter zu gestalten.“

Apollo ist nur eine von zahlreichen Initiativen, die dazu beitragen sollen, mit technologischen Fortschritten die Arzneimittelentwicklung bei Charles River wesentlich zu modernisieren. Allein im letzten Jahr hat das Unternehmen eine neue KI-basierte Plattform zur Wirkstofferforschung gemeinsam mit Valo Health eingeführt sowie ein GLP-validiertes, elektronisches Labor-Notebook und ein digitales Produkt zur effizienteren Rekrutierung von Zellspendern.

Apollo ist ein komplexes und schwieriges Projekt, in das – direkt und indirekt – Tausende von Mitarbeitern und Kunden von Charles River aus aller Welt involviert sind. Um erfolgreich zu sein, muss das System die Anforderungen sämtlicher Partner von Charles River erfüllen, von den größten Pharmaunternehmen bis hin zu Biotech-Start-ups.

Eine weitere Herausforderung war die Tatsache, dass die meisten Standorte von Charles River akquiriert bzw. übernommen wurden und nicht über die Jahre hinweg mit dem Konzern mitgewachsen sind. „Unser Geschäftsbereich Safety Assessment besteht beispielsweise aus zahlreichen Firmenübernahmen“, so Pam Walker, CVP, Global Head of Operations bei Charles River Laboratories, Safety Assessment. „Harmonisierte Datenerfassungssysteme sind unerlässlich, aber schwer umzusetzen. Dennoch haben wir hier bereits riesig Fortschritte gemacht.“

Apollo: Ein Tool für die effiziente Arzneimittelentwicklung

Von Anfang an bestand das Hauptziel von Apollo darin, lebenswichtige Wirkstoffe schneller auf den Markt zu bringen, indem Mitarbeitern und Kunden eine Technologie zur Verfügung gestellt wird, die das Tempo und den Fortschritt unterstützt. „Wir sorgen für zeitnahe Entscheidungsfindung, raschen Datenzugriff, ungehinderten Zugang zur Datenvisualisierung und einen direkten Kommunikationskanal zu jenen Mitarbeitern, die an Studien arbeiten“, sagt Pam Walker. „Wir möchten die Zusammenarbeit zwischen Sponsoren (also unseren Kunden) und unseren Mitarbeitern einfacher und effizienter gestalten. Dies geht weit über einen rein transaktionalen Kooperationsansatz hinaus.“

„Bei der Konzipierung von Apollo haben sich die Entscheidungsträger bei Charles River für einen agilen Projektansatz entschieden, das heißt, wir haben dieses äußerst umfangreiche Projekt in überschaubare Teile untergliedert. „Agil“ ist bei der Softwareentwicklung für viele Unternehmen bereits zur Standardmethode geworden und beeinflusst zunehmend auch die Art und Weise, wie physische Produkte entworfen und hergestellt werden. Es hat allerdings ein wenig gedauert, bis wir uns an diesen Ansatz gewöhnt haben“, so Erin Howard, Executive Director of Product and Design bei Charles River und Leiterin des für Apollo verantwortlichen Product Owner Teams.

„Wir haben uns aber mit vollem Einsatz in agiler Softwareentwicklung weitergebildet und damit gleichzeitig auch die Methodik der Produktentwicklung sowie eine neue Art der Technologieentwicklung übernommen“, sagt Erin. „Wir sahen uns dabei gelegentlich auch mit Situationen konfrontiert, in denen wir uns nicht ganz sicher waren, welchen Weg wir einschlagen sollten, sei es in Bezug auf die Daten, den Umfang des Projekts oder die Anzahl der Kunden, die wir als Nächstes einbeziehen wollten. Für uns war das Ganze eine komplett neue Arbeitsweise. Der Prozess war sehr aufschlussreich und wichtig, aber auch eine echte Herausforderung.“

Es wird derzeit an weiteren Funktionen gearbeitet. „Derzeit kann Apollo Kunden grobe Preiskalkulationen zur Verfügung stellen. Das Ziel der Zukunft ist es jedoch, Kunden zu befähigen, ihre eigenen Studien zu entwerfen und zu buchen, ohne dafür mit einem Mitarbeiter von Charles River sprechen zu müssen, wenn sie das nicht möchten“, so Kristen EisenhauerCorporate Senior Vice President, Vertrieb und Kundendienst. „Das Tool zur Ermittlung von Richtpreisen ist mittlerweile zu einer hochbeliebten Funktion geworden, hat sich also besser entwickelt als ursprünglich erwartet.“

Enterprise Data Hub und Anwendungsentwicklung

Mit dem konkreten Entwurf der Apollo-Plattform wurde im Jahr 2021 begonnen. Ein Team aus verschiedenen Spezialisten aus der Informationstechnologie hat eine Datenplattform ein sogenanntes Enterprise Data Hub (EDH) entwickelt, dass Daten aus verschiedenen Quellen abruft und konsolidiert. Die Aufbereitung der Daten für Apollo im EDH umfasste die Zusammenführung der verschiedenen Quellen von Sicherheitsbewertungsdaten, ihre Bereinigung und die Aufbereitung in einer Art und Weise, dass sie für den Kunden "standardisiert und verwertbar" sind, sagte Marlo Cobb, Executive Director of Enterprise Analytics bei Charles River, dessen Gruppe für den Enterprise Data Hub verantwortlich ist.

Die Front-End-Anwendung wurde von einem anderen Team entwickelt. Dabei wurden spezielle Widgets für die Datenanzeige erstellt, um es Benutzern zu erleichtern, durch die Anwendung zu navigieren, und allgemeine Dienste wie Back-End-Sicherheit und Authentifizierung wurden separat verwaltet und überwacht. Die Teams mussten sich kontinuierlich aufeinander abstimmen, um sicherzustellen, dass das Projekt in gleichmäßigem Tempo und synchron abläuft.

„Diese teamübergreifende Zusammenarbeit war eine tolle Leistung, da sich unsere Mitarbeiter nicht nur technisch gesehen, sondern vor allem auch auf menschlicher Ebene aufeinander abstimmen mussten“, so Dean McDonnell, Executive Director, Customer Experience Engineering, dessen Team die Apollo-App entwickelt hat. „Letztendlich ist das Schwierigste an der Softwareentwicklung und -bereitstellung in vielen Fällen die effiziente Kooperation zwischen unterschiedlichen Menschen und Persönlichkeitstypen. Es erscheint uns oft einfacher, in kleinen, isolierten Silos zu arbeiten und uns ausschließlich auf unsere eigenen Aufgaben zu konzentrieren, aber der Weg zum Erfolg ist die teamübergreifende Zusammenarbeit, denn nur so werden wir schneller und flexibler. Und was wir dafür brauchen, sind wirklich gute Beziehungen zwischen den verschiedenen Teams.“

Marlo fügt hinzu, dass der Prozess mit jedem neuen Unternehmen, das der Apollo-Plattform hinzugefügt wird, schneller von der Hand geht. „Aber das Erfolgsrezept bleibt immer dasselbe“, sagt sie. „Wir müssen immer wieder neue Datenquellen integrieren, die für die verschiedenen Anwendungen benötigt werden, und wir müssen diese Daten sortieren, indem wir Datenprofile erstellen und Datenanalysen durchführen. ... Wir setzen dabei allerdings auf wiederverwendbare Komponenten, die den Weg zur Digitalisierung für jeden Unternehmensbereich definitiv beschleunigen werden.“

Onboarding für neue Apollo-Benutzer

Das Apollo-Onboarding und das Training von Kunden und Mitarbeitern ist von entscheidender Bedeutung, denn wir möchten eine reibungslose Einführung des Systems gewährleisten und die gewünschten Geschäfts- und Kundenergebnisse komplett realisieren. Eine neue Plattform bedeutet für Benutzer immer eine gewisse Einarbeitungszeit. Lange vor der Einführung des Systems entwickelte daher das Team für das organisatorische Änderungsmanagement unter der Leitung von Michelle Berthiaume, Senior Director of Global Change Management, geeignete Methoden, um das Bewusstsein für Apollo zu schärfen und die Benutzer beim Erlernen neuer Funktionen zu unterstützen. Es werden zudem ergänzende Aktivitäten und Übungen angeboten, um sicherzustellen, dass die Benutzer nicht zu einem Altsystem zurückkehren oder auf ältere Prozesse zurückgreifen. Obwohl das Systemdesign kundenorientiert und intuitiv ist, stellen wir ein Support-Team zur Verfügung, das bei Bedarf Unterstützung leistet.

Außerdem wurden Kundenerfolgs- und Helpdesk-Teams eingerichtet, die Kunden und internen Teams, die direkten Kundenkontakt haben, bei der Beantwortung von Fragen zu Apollo helfen. „Je mehr wir unsere Mitarbeiter in Sachen Systemnutzung schulen, desto besser wird die Akzeptanzrate sowohl betriebsintern als auch unter unseren Kunden sein“, sagt Michelle. Wie bei den meisten innovativen digitalen Anwendungen besteht auch bei Apollo die Absicht darin, das „In-App“-Lernen erfolgreich umzusetzen.

Und wenn wir für unsere Kunden eine ansprechende Benutzererfahrung schaffen, die benötigte Daten und Informationen leicht zugänglich macht, können wir mit vereinten Kräften noch besser zur öffentlichen Gesundheit beitragen.

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